Energiekosten sind für produzierende Betriebe keine Nebenlinie in der Buchhaltung – sie sind ein strategischer Wettbewerbsfaktor. In der Metall-, Lebensmittel- und Elektroindustrie kann Strom 15–30 % der variablen Betriebskosten ausmachen. Wer hier strukturell besser aufgestellt ist als der Wettbewerb, hat einen dauerhaften Vorteil. Wer es nicht ist, verliert diesen Vorteil in jedem Strompreiszyklus neu.
Zwei Instrumente stehen dafür im Vordergrund: optimierte Strombeschaffung und Onsite-Photovoltaik. Die eigentliche Stärke liegt jedoch in ihrer Kombination.
Das Problem mit der reinen Strombeschaffungsstrategie
Klassische Strombeschaffung – ob Spotmarkt, Terminkontrakt oder fester Liefervertrag – hat einen strukturellen Nachteil: Sie macht das Unternehmen vollständig abhängig von externen Preisen. Das ist so lange kein Problem, wie die Energie günstig ist. Sobald sich der Markt dreht, dreht sich die Kostensituation mit.
Die Energiepreiskrise 2021–2023 hat das für viele Betriebe schmerzhaft sichtbar gemacht: Wer langfristig zu hohen Preisen eingekauft hatte, war gebunden. Wer auf Spot gesetzt hatte, erlebte Verzehnfachungen. Selbst gut aufgestellte Einkaufsabteilungen konnten das nur abfedern, nicht verhindern.
Strombeschaffung ist notwendig – aber allein nicht ausreichend für Kostenstabilität.
Das Problem mit der reinen PV-Strategie
Photovoltaik auf dem eigenen Dach senkt die Bezugskosten für den selbst erzeugten Anteil erheblich – der eigenproduzierte Strom liegt typisch bei 4–8 Cent/kWh (Gestehungskosten), während Netzbezug aktuell 20–30 Cent/kWh kostet. Das ist ein erheblicher Hebel.
Aber: PV deckt nur die tageslichtsynchrone Produktion. Nachtschichten, Wochenenden mit schlechtem Wetter, Wintermonate mit geringer Einstrahlung – in all diesen Zeiträumen bezieht der Betrieb weiterhin Netzstrom. Für energieintensive Betriebe im Schichtbetrieb liegt die PV-Deckungsquote in der Praxis oft bei 20–40 % des Jahresverbrauchs.
PV ist ein starker Kostensenker – aber kein vollständiger Ersatz für Strombeschaffung.
Die kombinierte Strategie: Warum das Zusammenspiel entscheidend ist
Die Kombination aus Onsite-PV und optimierter Strombeschaffung adressiert die Schwächen beider Einzelansätze:

Die kombinierte Strategie sieht vereinfacht so aus:
- 30–50 % des Stroms kommen vom eigenen Dach – zu Gestehungskosten, unabhängig vom Marktpreis
- 50–70 % des Stroms werden über optimierte Beschaffungsverträge gedeckt – mit klarer Preisstruktur, ggf. ergänzt durch PPAs für weitere erneuerbare Deckung
- Der Speicher (optional) verschiebt überschüssigen Solarstrom in die Abendstunden und erhöht die Eigenverbrauchsquote weiter
Was ist ein PPA – und wann lohnt er sich?
Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein langfristiger Direktliefervertrag für Strom aus einer spezifischen Erzeugungsanlage – typischerweise Solar- oder Windenergie. Das Unternehmen zahlt einen fixen Preis pro kWh, der unterhalb des aktuellen Marktpreises liegen kann und vor allem langfristig planbar ist.
PPAs ergänzen die Onsite-PV dort, wo das eigene Dach nicht ausreicht:
- Betriebe mit sehr hohem Strombedarf und begrenzter Dachfläche
- Unternehmen, die ihren gesamten Strombedarf auf erneuerbare Quellen umstellen wollen (Scope-2-Ziele)
- Betriebe mit Nacht- oder Winterbedarf, der durch PV allein nicht gedeckt werden kann
PPAs sind kein Massenprodukt – sie erfordern Verhandlung, Bonitätsprüfung und ein gewisses Abnahmevolumen. Für mittelgroße Produktionsbetriebe ab ca. 1–2 GWh Jahresverbrauch sind sie aber prüfenswert.
Konkret: Wie sieht das für einen Produktionsbetrieb aus?
Ein vereinfachtes Beispiel für ein metallverarbeitendes Unternehmen mit 800 MWh Jahresverbrauch:
Ausgangslage:
- Vollbezug aus dem Netz: 800 MWh × 28 Ct/kWh = 224.000 € Stromkosten/Jahr
Mit Onsite-PV (300 kWp, ca. 35 % Eigenverbrauchsquote):
- PV-Eigenverbrauch: 280 MWh × 6 Ct/kWh (Gestehungskosten) = 16.800 €
- Restbezug: 520 MWh × 28 Ct/kWh = 145.600 €
- Gesamtkosten: 162.400 € → Ersparnis ~28 %
Mit optimierter Beschaffung zusätzlich (Terminkontrakt, 2 Ct/kWh Einsparung auf Netzbezug):
- Restbezug neu: 520 MWh × 26 Ct/kWh = 135.200 €
- Gesamtkosten: 152.000 € → Ersparnis ~32 %
Diese Zahlen sind vereinfachte Modellrechnungen zur Illustration der Größenordnungen. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt von Dachgröße, Verbrauchsprofil, Netztarifen und Beschaffungskonditionen ab.
Onsite-PV ohne Eigenkapital: Das Contracting-Modell
Viele Produktionsbetriebe wollen Solarstrom, aber kein gebundenes Kapital. Das Contracting-Modell löst diesen Konflikt: ALVA installiert die Anlage auf eigene Kosten, der Betrieb bezieht den erzeugten Strom zu einem vertraglich gesicherten, günstigeren Preis als beim Netzbezug. Kein Eigenkapitaleinsatz, kein Betriebsaufwand, direkter Kostenvorteil ab dem ersten Tag.
Mehr zu den verfügbaren Modellen auf der Gewerbelösungen-Seite von ALVA.
Was hat Strombeschaffung mit ESG zu tun?
Immer mehr. Unter CSRD und im Rahmen der Scope-2-Berichtspflicht (indirekte Emissionen aus Strombezug) müssen Unternehmen zunehmend transparent machen, woher ihr Strom kommt. Wer einen hohen Anteil selbst erzeugten Solarstroms nachweisen kann, senkt seinen Scope-2-Fußabdruck – nicht durch Zertifikatskauf, sondern durch physische Erzeugung. Das ist gegenüber Kunden, Finanzierern und Lieferkette belastbarer als reine Herkunftsnachweise. Wie Photovoltaik dabei auch die Immobilienfinanzierung beeinflusst, erklärt unser Artikel ESG, Solarpflicht und Immobilienfinanzierung.
FAQ
Ab welchem Stromverbrauch lohnt sich Onsite-PV für Produktionsbetriebe? Als grobe Orientierung: Ab ca. 100 MWh Jahresverbrauch und einer nutzbaren Dachfläche von mindestens 750 m² sind Projekte wirtschaftlich sinnvoll. Darüber hinaus skaliert die Wirtschaftlichkeit in der Regel deutlich.
Was ist der Unterschied zwischen einem Stromliefervertrag und einem PPA? Ein klassischer Stromliefervertrag wird mit einem Versorger über das öffentliche Netz abgewickelt. Ein PPA ist ein Direktvertrag mit einem Erzeuger – oft für erneuerbare Energie – mit langfristiger Preisbindung und ohne Netzbezug.
Kann ich Onsite-PV und optimierte Beschaffung gleichzeitig nutzen? Ja, das ist der Kern der kombinierten Strategie. Der selbst erzeugte Solarstrom reduziert den Netzstrombezug, der verbleibende Netzbedarf wird über optimierte Verträge beschafft.
Wie beeinflussen Stromspeicher die Strategie? Ein Batteriespeicher erhöht die Eigenverbrauchsquote der PV-Anlage, indem überschüssiger Mittagsstrom in die Abend- und Nachtschichten verschoben wird. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit weiter, erfordert aber eine separate Investitions- oder Contracting-Prüfung.
Was bedeutet Scope-2-Emission und warum ist das relevant für die Beschaffungsstrategie? Scope-2 bezeichnet die indirekten Emissionen aus eingekaufter Energie (v. a. Strom). Unternehmen mit CSRD-Berichtspflicht müssen diese transparent ausweisen. Onsite-PV reduziert Scope-2 physisch – das ist belastbarer als der Kauf von Herkunftsnachweisen.
Bietet ALVA auch Strombeschaffung an? Ja. ALVA begleitet energieintensive Betriebe nicht nur bei der PV-Installation, sondern auch bei der Optimierung der Strombeschaffung – als Teil einer integrierten Energiestrategie.
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